Wer hat Angst vor’m bösen Stift?

von Donald Becker

Diesen Titel trugen in der Vergangenheit bereits mehrere Einzelbeiträge und auch einige 90-minütige Podiums-Vorträge waren so benannt.

Denn immer noch werden viele Stift- oder schraubenversorgte Zähne einer chirurgischen Intervention zugeführt, die aufgrund verschiedener Abweichungen vom Idealverlauf (keine retrograde WF nach WSR, nicht korrekt platzierte retrograde Füllungen, nicht aufbereitete Kanalsysteme) leider nicht erfolgreich enden.

Der jeweils vorhandene Stift lässt offensichtlich nur einen Schluss zu:

Wurzelspitzenresektion!

Unvorstellbar offensichtlich, dass ein Stift oder eine Schraube vorhersagbar orthograd entfernt werden könnte. Dabei kann es – auch in schwierigen Fällen – so einfach sein.

 

Herodontics – Zahn 21 – Recall nach 7 Jahren

Hier kommt der Reclam von „Saving hopeless teeth (VI), Apikale Aufhellung (9) – Zahn 21 mit Fistel, WSR, SSA, tiefen Taschen und Resorption“ von letztem Freitag

Erstveröffentlichung von Donald Becker am 12. Mai 2015

Fast auf den Tag genau 7 Jahre post WF  (die Wurzelkanalfüllung  war am 14.05.2008) stellte sich Ende letzter Woche der Patient zur Kontrolle seines „Sauerbruch“ – Zahnes 21 bei uns vor.

Ich hatte erstmalig  hier darüber berichtet.
Das war 2009.

Sauerbruch- Zahn.
So nenne ich Zähne, die sich intraoperativ als infaust oder irreparabel präsentieren, allerdings dies aber erst zu einem Zeitpunkt offenbaren, da schon viel zu viel Zeit investiert wurde, um jetzt einfach resignierend aufzugeben, die Behandlung abzubrechen und den Zahn zu extrahieren.

Der „alte“ Sauerbruch, so steht es in seinen Memoiren („Sauerbruch – Das war mein Leben“)  hatte während einer Operation angesichts einer scheinbar ausweglosen Situation ausgerufen: „Dieser Patient verstirbt mir nicht auf dem Tisch !“ und die Operation fortgesetzt. So war es letztendlich dem ausgeprägt großen Ego des Professors zu verdanken, dass der Patient wider Erwarten überlebte und  kurze Zeit später als geheilt aus dem Krankenhaus entlassen werden konnte.

Die Zeiten der „unfehlbaren“ Medizin- Titanen a la Sauerbruch  sind lange vorbei.
Und im vorliegenden Fall ging es nicht um egomane Professoren-Psychen.

Sondern ganz pragmatisch nach Entdecken der palatinalen Resorption darum, angesichts der bereits investierten Anstrengungen und der reichlich verstrichenen Behandlungszeit den Fall zum Abschluss zu bringen, um ihm so überhaupt eine Chance geben zu können.

Wenn man dies tut, stellt man wie im vorliegenden Falle fest, das auch hoffnungslose Zähne „funktionieren“ können.
Gut sogar.

Die vorhandene Fistel verschwindet.
Mit ihr die über ein Jahrzehnt sporadisch wiederkehrenden Beschwerden.
Die laterale Aufhellung bildet sich zurück.

Klinische Situation 7 Jahre post WF

Zwischenzeitlich wurden Zahn 21 und (obwohl ich vehement davon abgeraten habe) der Zahn 11 vom Hauszahnarzt überkront. Die PA- Situation ist stabil. Mesiopalatinal eine Tasche von 4 mm, palatinal und distopalatinal 3 mm, vestibulär jeweils an Zahn 21 2 mm. Der Zahn weist Lockerungsgrad wie auch Zahn 11 Lockerungsgrad 1 auf.

Klinische Situation 7 Jahre post WF

Im Moment spricht nichts dagegen, dass der Zahn 21 nicht auch noch ein paar Jahre im Mund verbleiben kann.

Pick, Pick (2)

In diesem Fall gab es mehrere Probleme.
Neben der apikalen palatinalen Problematik, apikale Transportation und Perforation mit extrudiertem WF Material, bestand die Schwierigkeit in der Erschließung der apikalen Bereiche des mesiobukkalen und distobukkalen Wurzelkanalsystems.
Distobukkal bestand eine Verblockung der apikalen Bereiche.
Nicht unerwähnt möchte ich die Schwierigkeit bei der präendodontischen Restauration lassen. Zum einen die multiplen Kunststoffmaterialien, zum anderen den im Röntgenbild erkennbaren Proc. coronoideus, welcher bei maximaler Mundöffnung im Röntgenbild zu erknnen ist. Daraus resultieren eventuell Probleme bei der Kofferdaminsertion durch den Klammerbügel distal.

Und wie kann man das Lösen? Wurzelspitze lesen.

Und nun?

Von Donald Becker

Die Patientin wurde bei ihrer behandelnden Zahnärztin vorstellig, weil sie im linken Oberkiefer seit einigen Wochen diffuse Beschwerden bemerkte. Kein direkter Schmerz, aber ein Unbehagen beim Kauen. Die Patientin empfand Zahn 24 dabei als minmal beweglicher als seine Nachbarn.

Anbei das angefertigte Röntgenbild. Was fällt auf? Wie wäre das Geschehen zu erklären? Was wäre zu tun?

Die Sondierungstiefen der Zähne 23-25 lagen im physiologischen Bereich. Die Beweglichkeit war an Zahn 24 unmerklich größer als an den benachbarten Zähnen. Es bestand keine palpatorische Druckdolenz, keine Fistelung, keine Schwellung. Die elektrische Sensibilität des 24 war von bukkal und von palatinal positiv, wenngleich im oberen mittleren Bereich der Skala des Elements Diagnostic Gerätes. (Maximal-Wert 80, bukkaler Wert 48, palatinaler Wert 52).

Und nun?

Nutzt die Kommentar-Funktion. Auflösung ab 18.00 Uhr hier.

 

Duplizität der Ereignisse – Apical Split Teil 2

Wissen Sie was das Schöne an WURZELSPITZE ist ?
Das hier Tag für Tag aus dem endodontischen Alltag berichtet wird.

Keine Sonntagsfälle, keine „textbook cases“.
Auch wenn das eine oder andere Ergebnis möglicherweise als druckreif zu bewerten wäre.

Tagesgeschäft also. Und deshalb passieren dann auch so Dinge wie „Duplizität der Ereignisse – zwei Prämolaren mit „apical split“ innerhalb von 24 Stunden in 2 unterschiedlichen WURZELSPITZE-Praxen.

Wäre das nicht eine prima Idee, einmal zu schauen, wie diese Fälle gelöst werden in den jeweiligen Händen?   Vor allem – mit Ansage demnach. Denn zur Erstvorstellung des Falles war der Zahn noch nicht berührt, lediglich die Erstuntersuchung und die Röntgendiagnostik waren gelaufen.

Kein Sicherheitsnetz.
Kein doppelter Boden.
Kein Vorhang, hinter dem man sich verstecken könnte, auch wenn die Situation möglicherweise ein schwierige ist, die ein Scheitern nicht unrealistisch erschein lässt.

Und ein toller Fall, um in die Details zu gehen.

Darüber werde ich ausführlich schreiben die nächste Tage.
Vorweg jedoch der Fragenkatalog an die Mitleser.

Was erwartet uns hier ?
Was muss man bedenken?
Wo sind die Schwierigkeiten ?
Und wie konkret geht man vor, was resultiert daraus?

Noch eine Vorab-Info, den Fall betreffend: Zahn 15 wurde auf Grund einer Schmerzproblematik wurzelkanalbehandelt. Nach initialer Behandlung schmerzfrei, nach WF wieder stärkere Schmerzen, weshalb die Hauszahnärztin die WF wieder entfernte (siehe Röntgenbild) und die Patientin an uns überwies.

Pick, Pick (1)

In den hier, unter der Bezeichnung „Pick, Pick“, in loser Reihe vorgestellten Fällen möchte ich Revisionen mit Problemen vorstellen.
Das heißt – Revisionen mit Blockierungen, Begradigungen, Kanalverlagerungen, Resorptionen, etc.
An Hand dieser Fälle stelle ich mein Vorgehen vor.

Das Ausgangsröntgenbild von dem ersten Fall möchte ich heute zeigen.

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