Auslandszahnersatz – Hart, aber fair ?

Am heutigen Freitag ein alter Artikel im Volltext vom 12. Januar 2009. Im Großen und Ganzen immer noch aktuell.

In einem Artikel der Süddeutschen Zeitung vom 02.01.2009 mit der Überschrift „Der Lückenfüller“ gibt es ein paar interessante Zahlen und auch Denkweisen zu Auslandszahnersatz.

Wer ihn liest, der wird nicht umher kommen, zu realisieren, dass Auslandszahnersatz angesichts  knapper Geldbeutel bei Krankenkassen und Versicherten die  Schmuddelecke des Globudent – Skandals vergleichsweise schnell verlassen hat.

Man muss kein großer Prophet sein, um vorherzusagen, dass Auslandszahnersatz seinen Platz in der deutschen Zahnmedizin beibehalten und darüber hinaus noch deutlich stärkere Verbreitung finden wird. Alle Zeichen, sogar die Stimmen in der Zahnärzteschaft, weisen in diese Richtung.

Was in dem Artikel steht, klingt vordergründig gut.
Eine ganze Reihe von positiv besetzten Schlüsselworten tragen subliminal dazu bei, Vertrauen in diese Art von Gesundheitsdienst aufzubauen. Ob geschicktes Marketing oder Fakten, ich kann es nicht beurteilen, denn ich habe noch nie Auslandszahnersatz in Auftrag gegeben und war auch noch nicht vor Ort in einer solchen Produktionsstätte. Aber ich weiss,  auf jeden Fall wird der Artikel in der Tageszeitung weiter dazu beitragen, dass die Hersteller von Auslandszahnersatz neue Kunden gewinnen werden, sowohl Zahnärzte als auch Patienten.

Es ist die Macht des Faktischen, des pekuniären Vorteils, die letztendlich dazu führen wird.
So sicher wie das Amen in der Kirche.

Nun ist also auch die Zahntechnik in Deutschland letztendlich im globalen Zeitalter angekommen.
Schöne Neue Welt.

Ich zitiere den Beitrag aus der „Süddeutschen“ bewusst nicht. Weil ich nicht mehr als notwendig dazu betragen will, einen Trend zu unterstützen, von dem ich nicht weiss, inwieweit er zum Vorteil gereicht.

Dass wir uns nicht falsch verstehen.
Natürlich wird diese Entwicklung einer ganzen Reihe von Patienten, Zahnärzten, Zahntechnikern, Kaufleuten und anderen beruflich an dieser Entwicklung Beteiligten (bis hin zum Mediengestalter, der die Werbebroschüren entwirft und dem Flughafenmitarbeiter, der den Container aus dem Jumbo rollt)  zum wirtschaftlichen Vorteil gereichen.
Aber er wird auch Nachteile mit sich bringen.
Für Andere.

Und keiner von uns weiss, was unter dem Strich dabei rauskommt. 

Wir sind dabei, eine Überraschungstüte aufzumachen.
Wir wissen nicht, was drin ist.
Ich hoffe, dass es nicht eine Büchse der Pandora ist, die wir öffnen.

Wer aber auf jeden Fall Verlierer dieser Entwicklung ist, dass kann ich schon heute sagen. 

Es sind die deutschen Zahntechniker.

Denn diese kämpfen einen ungleichen Kampf.

Analysieren wir einmal ganz nüchtern: Warum wird Auslandszahnersatz nachgefragt ?

Er ist billiger. Ein einfacher, aber nachhaltiger Grund.

Ist er für den Zahnarzt billiger ? Nein, dass ist er nicht. 
Ein Zahnarzt gewinnt gegebenenfalls einen Wettbewerbsvorteil dahingehend, dass er gegenüber seinem Kollegen vor Ort kostengünstiger eine Leistung anbieten oder Patienten als Kunden gewinnen kann, die nicht soviel Geld ausgeben wollen oder können.
Ein Zahnarzt verdient jedoch per se kein Geld daran, dass er dem Patienten billigeren Zahnersatz anbieten kann. 

Verdienen, also Geld sparen demnach die Patienten, die Krankenkassen, der Staat.

Warum ist Auslandszahnersatz billiger ?
Im vorliegenden Fall einer Firma, die Zahnersatz in China herstellen lässt, sind es nicht die Materialkosten.
Denn das Material wird laut Aussage der Betreiber aus Deutschland bezogen.

Man spart also bei den Lohnkosten und den Produktionskosten.
Die Gehälter der Mitarbeiter sind niedriger.
Die Kosten für die Errichtung und den Unterhalt der Produktion.
Man muss weniger Abgaben an den Staat zahlen als bei uns.

Zahnersatz ist ein arbeitsintensives Produkt, dass individuell hergestellt werden muss.

Das bedeutet gegenüber standardisiert zu fertigenden Produkten einen hohen Lohnkostenanteil. Durch deutlich niedrigere Lohnkosten und die generell niedrigere Gesamtkostenstruktur lassen sich  bei Auslandszahnersatz höhere Versandkosten und die dafür notwendige Vetriebs – und Managementstrukturen aus den Ersparnissen überkompensieren.

Und der Zahntechniker in Deutschland ?
Produziert hier.
In „Good Old Germany“.
Bei ortsansässigen Kosten. Seinen Lebensunterhalt betreffend, seine sozialen Abgaben. 

Egal, wen kümmerts ?
Wer Auslandszahnersatz gut findet, dem sei gesagt, dass dies sein gutes Recht ist. 
„Der Preis ist heiss“, „Geiz ist geil !“ und „Ich bin ja nicht blöd“.  
Und warum sollte ein Zahnersatz aus dem Ausland per se schlechter sein als aus Deutschland.
Wer dies unterstellt, der verhält sich im höchsten Maße weltfremd, überheblich, arrogant.

Aber.
Jeder, der Auslandszahnersatz fordert.
Oder sogar einfordert.
Der sei angehalten, sich vor Augen zu halten.
Was ist, wenn das Produkt meines täglichen Arbeitens und damit mein Gelderwerb plötzlich von Jemandem deutlich kostengünstiger hergestellt wird, weil man ihm weniger Kosten aufbürdet.
Finde ich das dann immer noch so toll ? 

Wenn man nur ein wenig Phantasie aufbringt, dann kann man für viele viele Bereiche Szenarien konstruieren, die dem nahe kommen. 

Ich denke zum Beispiel an den  Automobilbauer bei Audi, dem gesagt wird, wir können das Auto, dass Du baust, in Ungarn billiger produzieren. Wir legen nun dein Werk in Deutschland still.

Wird nicht kommen ?
Hoffentlich. Aber wie war das mit dem Handyproduzenten, der seine Produktion nach Rumänien verlegt hat ?

Okay, Produktion ist ein einfaches Beispiel. Wird mich schon nicht treffen, denkt Derjenige vielleicht, der  nicht in der Produktion arbeitet. Sondern im Dienstleistungsbereich.
Und Deutschland wird dann einfach immer mehr  zu einem  Dienstleistungsland.

Funktioniert aber nur, wenn irgendjemand noch bereit und in der Lage ist, diese Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen und zu bezahlen. Wird schwierig mit Hartz 4.
Und – auch Dienstleistungsbereiche kann man outsourcen.
Callcenter im Ausland. Kein Problem. Hatte ich schon des öfteren in den letzten 2, 3 Jahren am Telefon.

Was gegenwärtig in der Zahntechnik passiert, ist nur ein Puzzlesteinchen einer Entwicklung, die langsam und schleichend zu einem weiteren Ausbluten und mit gewisser zeitlicher Verzögerung nachfolgend als nächste Stufe eine Eskalationskaskade zu einer weiteren Destablisierung unseren sozialen Systems und letztendlich unserer Gesellschaft führen wird.

Wer denkt, dass wir Geld sparen werden durch diese Entwicklungen, der irrt.

Wir werden Geld verlieren auf längere Sicht.
Und noch viel, viel mehr als Geld.

Nämlich wieder ein weiteres Stückchen an Sicherheit.

„Die fetten Jahre sind vorbei“.
Nichts mehr wird so sein wie früher.  Auch dass war schon immer so.
„Die einzige Konstante ist der  Wandel“.

Aber früher hatten wir mehr Grund zur Annahme, dass das Neue das Bessere sein wird.

Wie immer in solchen Situationen rufen viele Leute nach dem Staat.
Der es richten soll.
Ich persönlich sehe die Aufgabe des Staates nicht darin, Jemandem, der selbst verschuldet  (und wie im Falle der gegenwärtigen Bankenkrise aus Gewinnmaximierung und Habgier, weil er den Hals nicht vollkriegen konnte) sich in wirtschaftliche Schwierigkeiten gebracht hat, auf Kosten der Allgemeinheit unter die Arme zu greifen.
Damit er, stande pede wieder zu gewohnten Verhaltensmustern zurückkehren kann.

Die Aufgabe des Staates ist es jedoch, seine Bürger zu protektieren.

Es darf nicht sein, dass ein Staat seine Steuerzahler, also diejenigen, die ihn unterhalten, durch die Auflagen, die er Ihnen macht, die Lebensumstände, die er Ihnen auferlegt, dazu bringt, dass Sie nicht mehr in der Lage sind, ihrer Arbeit nachzukommen.

Soll der Staat also Auslandszahnersatz verbieten ?
Das wäre lächerlich.

Oder zumindest zu einem Protektionismus der Schutzzölle zurückkehren ?
Der Gedanke  ist vordergründig, in bierseliger Stammtischatmosphäre  sicherlich reizvoll, aber nicht machbar. 
Aber lassen sie uns einen Moment darüber nachzudenken, die Idee als Gedankenmodell aufgreifend, Augen öffnend.
Wie wäre es im  Umkehrschluss, wenn der Staat seinen einheimischen Bürgern die gleichen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen anzubieten würde wie den Leistungserbringern im Ausland. 

Ach, das geht nicht, sagen Sie. Der Staat hat Kosten, die er tragen muss, und wenn er den Preis für seine Leistung  (nicht anders sind ja Steuern) senkt, dann ginge er pleite.
Dann sagen Sie  dass bitte auch mal dem  Zahntechniker, der sich im heimischen Bad Irgendwo bemüht, seinen Betrieb am Laufen zu halten.  Der gerade von seinem langjährigen Geschäftspartner, einem ortsansässigen Zahnarzt, mitgeteilt bekommen hat, dass sich der Patient für die günstigere Brücke aus China entschieden hat. Und dass davon auszugehen ist, dass von nun an der Satz  „Tut mir leid, aber sie waren zu teuer“ noch deutlich öfters zu hören sein wird  in nächster Zukunft.

Was also ist zu tun ?
Pflicht ist ein hartes Wort. Ein altmodisches Wort. Ein ungeliebtes Wort. Und in diesem unserem Lande, historisch bedingt, negativ besetzt. Dem bin ich mir bewußt, wenn ich sage: Es ist die Pflicht des Staates, seinen Bürgern gegenüber, diese nicht Situationen auszusetzen oder von diesen einzufordern, die ungleich schlechter sind als die Derjenigen, die dem Staate nicht angehören.

Auf ein kleinsten Nenner gebracht, auf eine Mindestmaß, dass nicht unterschritten werden darf, bedeutet dies, im Hinblick auf die Zahntechnik: Der Staat sollte sich jeder Forderung nach billigerem Auslandszahnersatz enthalten. Er sollte dies weder propagieren, noch es zulassen, dass andere Institionen dies propagieren. 

Und auf keinen Fall, wie gegenwärtig dies defacto der Fall ist, gesetzliche  Strukturen schaffen, die einen solchen Auslandszahnersatz fördern oder mittlerweile sogar, betrachtet man die suggestiven Schriftstücke der Krankenkassen, zwischen den Zeilen dies einfordern. Das geht zu weit. Ist nicht fair.

Mag sein, dass dies hart ist für den Staat, dem damit kurzfristig Geld verloren geht.

Aber es wäre fair, seinen Bürgern gegenüber. 
Denn Zahntechnik „ist überall“. 
Und auch Zahntechniker sind Bürger.

Die Revision der Revision…(2)

An dieser Stelle haben wir über den Fall und den Ausgangszustand berichtet.

Nach eingehender Beratung haben wir uns zusammen mit der Patientin für einen Revisionsversuch entschieden.

Die chirurgische Intervention in Form einer Wurzelspitzenresektion haben wir nicht in Betracht gezogen.
Die Extraktion und Implantation wäre eine Alternative. Allerdings werden die ästhetischen Ansprüche der Patientin auf Dauer schwer stabil zu lösen sein (ungünstiger Gingivatyp).

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Allerweltsfälle 2 & 3

von Donald Becker

Erstbehandlungen kommen in meiner Praxis sehr selten vor. 95% meiner Tätigkeit besteht aus  Re-Dentistry. Wiederholungszahnheilkunde.

Insofern sind die beiden im Folgenden dokumentierten Behandlungen einerseits eine Rarität weil Erstbehandlung, andererseits jedoch Fälle, wie sie täglich hundertfach in deutschen Zahnarztpraxen auftreten.

Große Lyse, langes Recall

von Donald Becker

Nachdem die Erstbehandlung des 25 offensichtlich nicht erfolgreich gewesen war, wurde dieser – ohne retrograden Verschluss – also loco resiziert. Ohne Erfolg. Die bestehende periapikale Lyse war beeindruckend groß.

Der Therapievorschlag einer erneuten chirurgischen Intervention sagte der Patientin nicht zu. Daher wünschte sie eine Zweitmeinung.

Das erste Recall war eher enttäuschend. Nach 6,5 Jahren sieht es nunmehr zufriedenstellend aus.

Calciumhydroxid – Koronaler Abschluss

Freitag ist Freutag! Aber nicht weil Fix und Foxi-Tag ist, sondern weil heute wieder ein kompletter Originaltitel aus dem Wurzelspitze-Fundus veröffentlicht wird. Von Donald Becker, vom 23. Februar 2009.

Noch ein Tipp, die Verarbeitung von Calciumhydroxid betreffend.

Das Material, UltracalXS (Ultradent), ist eingebracht.

Mit den Capillary Tips kein Problem und gut kontrolliert unter Dentalmikroskop – Kontrolle.

Jetzt geht es um den koronalen Abschluss, die provisorische Füllung zwischen den Sitzungen, die bei uns fast ausschließlich mit Glasionomerzement stattfindet.

Wie aber den Glasionomerzement einbringen ?
Eine Isolation gegenüber dem Calciumhydroxid muss her.

Wattepellet ? Definitiv ungeeignet, ebenso wie Peletim – Schaumstoffpellets.

Teflonband wäre eine Möglichkeit, die funktioniert.

Wir gehen seit bald 10 Jahren einen anderen Weg.
Calciumhydroxid – Pulver (aus der 500 Gramm Dose von Merck)  in einem Dappenglas und eine Amalgam -Pistole, die mit dem Pulver gestopft wird.

Anschließend wird das Calciumhydroxid mit der Pistole in die Kavität eingebracht und  mit einem Zementstopfer verdichtet.
Es entsteht eine sehr feste Schicht aus Calciumhydroxid – Pulver, auf die der Glasionomerzement aufgebracht werden kann.

Zusätzlicher Nebeneffekt.
Das Calciumhydroxid in den Kanälen wird verdichtet und verteilt sich besser in den Kanälen.

Und auch das Rausbohren der Füllung gestaltet sich sehr einfach.
Den Bohrer soweit versenken, bis er das  Calciumhydroxid erreicht, was sich durch ein leichtes „Durchsacken“ bemerkbar macht.

Fakt ist, das Teflonband, so sehr ich es schätze, kann unsere altbewährte Vorgehensweise nicht ablösen, die Vorteile überwiegen.

Vielleicht einfach mal ausprobieren ?

Allerweltsfall

von Donald Becker

Pulpanekrose. Ein ganz normaler Behandlungsfall. Und ein gutes Beispiel für den Nutzen des DVT.

Die Erstbehandlung dieser Patientin erfolgte in der Praxis der überweisenden Kollegin. Der palatinale Kanal erschien irgendwie anders zu sein, sodass die Patientin nach der initialen Schmerzbehandlung zur Weiterbehandlung überwiesen wurde. Einfacher Fall. Eigentlich.

Das präoperative DVT lässt erkennen, dass der palatinale Kanal über keine Konstruktion verfügt und sich apikal trichterförmig erweitert. Die umgebende apikale Lyse ist groß. MB1 liegt nicht mittenzentriert, sodass es koronal einen MB2 geben muss. Es gibt Hinweise auf eine infektionsbedingte externe Resorption der Apizes.

Welche Folgen haben diese Erkenntnisse? Viele.

von Donald Becker

Ein erfolgreiches Recall ist für mich ein Art verspäteter und stiller Beifall für ein erfolgreiches Bemühen die apikale Pathologie zur Ausheilung zu bringen.

Während der Patient den auch radiologisch sichtbaren Erfolg der endodontischen Behandlung bei Beschwerdefreiheit fast schon voraussetzt, habe ich immer noch eine Art kleines hoffnungsvolles Bangen in mir, wenn es zur Nachkontrolle kommt.

Insbesondere wenn es sich um mehrere behandelte Zähne beim selben Patienten handelt.

Umso schöner wenn das Ergebnis so ausfällt:

Wer hat Angst vor m bösen Stift? – Niemand!!!

Wie jeden Freitag ein Vintage-Artikel von Wurzelspitze, das Original diesmal von Ronald Wecker vom 12. März 2009

Wer kennt nicht den Kinderreim: „Wer hat Angst vor’m bösen Wolf ? Niemand!“ ? Er soll wohl Mut machen, wenn man sich auf die Begegnung mit dem  Schrecklichen vorbereitet.
Mut machen soll auch dieser Beitrag.

Immer noch werden gegossene Stift-Stumpfaufbauten viel zu oft als unüberwindbare Hürde bei einer orthograden Revision angesehen und derart versorgte Zähne beim Bestehen einer  apikalen Parodontitis primär einer chirurgischen Therapie unterzogen. „Den Stift kriegen wir eh nicht raus.“

Die nichtsonderlich hohen Erfolgsraten einer solchen Therapie verwundern angesichts der Ursache der apikalen Parodontitis (bakterielle Kontamination des Kanalsystems) und des Unvermögens, die koronal der Resektionsstelle gelegenen Kanalanteile zu desinfizieren, nicht wirklich.

Sicherlich gibt es Ausnahmesituationen, in denen die mit der Entfernung des gegossenen Stiftaufbaus verbundenen Risiken so hoch sind, dass einer retrograden Vorgehensweise der Vorzug zu geben ist. In der überwiegenden Mehrzahl der Behandlungsfälle ist jedoch eine Entfernung der gegossenen Stiftaufbauten mit einer hohen Vorhersagbarkeit möglich. Neben einem übersichtlichen Arbeitsfeld, guter Beleuchtung und adäquater Vergrößerung ist ein durchdachtes Stiftentfernungssystem sinnvolles Hilfsmittel für eine erfolgreiche Entfernung gegossener Stiftaufbauten.

Und zwar solcher Stiftaufbauten, die, zum Leidwesen des Revisionators/ der Revisionatorin, eine hervorragende Primärpassung, einen geringen Zementspalt, eine zylindrische Form und eine Ausdehnung bis ans Ende des mittleren Kanaldrittels aufweisen.

Das Stiftentfernungssystem von Thomas/Gonon ist ein Hilfsmittel, auf das ich in meiner Praxis nicht mehr verzichten möchte.
Es arbeitet zuverlässig und vorhersagbar. Die schneidenden Instrumente (Stirnfräsen und Gewindeschneider) haben eine gute Standzeit und es steht eine ausreichende Auswahl an unterschiedlichen Instrumentengrößen zur Verfügung.
Die übersichtliche Anordnung in einer sterilisierbaren Metallbox erleichtert  dem Behandler das Arbeiten und den Mitarbeitern die problemlose Aufbereitung und erneute Bereitstellung.

Die Anwendung ist denkbar einfach:  Der m.E. nach wichtigste Behandlungsschritt ist die Reduktion des gegossenen Aufbaus auf den eigentlichen Stiftanteil. Geschieht dies in Verlängerung der Stiftlängsachse so ist die Entfernung so gut wie sicher möglich. Liegt man mit der Reduktion „daneben“, besteht aufgrund der beim Entfernungsversuch schräg zur Stiftachse ansetzenden Kräfte ein erhöhtes Risiko von Wurzelfrakturen und Zahnhartsubstanzaussprengungen. Daher ist es wichtig sich für diesen Schritt ausreichend Zeit zu nehmen.

Anschliessend wird der erreichbare Anteil des Befestigungzements mit Ultraschallinstrumenten entfernt und sichergestellt, dass eine Rotation des Stifts um seine Längsachse problemlos möglich ist.

Dann wird mittels stirnfräsenden rotierenden Instrumenten der Stiftaufbau so reduziert, dass mit einem daruf abgestimmten Gewindeschneider eine sichere Verbindung zwischen Gewindeschneider und Stift erzielt wird. Da der Gewindeschneider linksdrehend eingesetzt wird, können so geschraubte Stifte ohne Mühe entfernt werden.

Stifte, die sich derart nicht lösen, können mit einer einem Korkenziehermechanismus nicht unähnlichen Zange achsengerecht aus dem Zahn entfernt werden. Der Anschaffungspreis mag anfangs schrecken, die eingesparte Arbeitszeit und das deutlich erweiterte Therapiespektrum machen diesen kleinen Nachteil mehr als wett.

Erworben habe ich dieses nützliche Tool übrigens auf Anraten einer holländischen Kollegin bei einem niederländischen Dentaldepot (der ursprüngliche link funktioniert leider nicht mehr). Nicht unerwähnt lassen möchte ich den Umstand, dass die Kostersparniss im Vergleich zu den Angeboten in Deutschland im deutlich dreistelligen Euro-Bereich lag.

Die Revision der Revision…

Die Patientin kam mir Beschwerden. Am Zahn 12 zeigte sich in der Umschlagfalte in Wurzelspitzenhöhe eine deutlich palpierbare und schmerzhafte Schwellung. Der Zahn macht der Patienten schon seit der Kindheit Probleme nach einem Unfall. Mehrfach wurde der Zahn endodontisch behandelt. Es waren nicht mehr alle Behandlungen zu eruieren.

Jetzt wurde sie zur Wurzelspitzenresektion überwiesen. Doch vorher wollte die Patientin eine Zweitmeinung einholen. Deshalb der Termin bei uns.
Im Zahnfilm war deutlich eine apikale Osteolyse, vermutlich eine Stufenbildung zu erkennen. Alles klar könnte man meinen.

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Back to the Future

Gastbeitrag von Thomas Weber

 

Seit Jahren hören wir das alte Lied: Die GOZ ist unzureichend. Wir leben aber damit und arrangieren uns.

Die eigentliche Frage: Braucht der „Leistungserbringer“ unbedingt eine Gebührenordnung? wird nicht gestellt.

Die Antwort ist, wie wir wissen: Nein, er braucht sie nicht. Der Kosten-Erstatter braucht sie zur einfachen Festsetzung von Erstattungssätzen.

Der Zahnarzt könnte es sich sehr einfach machen. So wie jeder andere Dienstleister, der nicht unter staatlicher Kuratel steht: Eine Keramikkrone am Zahn X kostet den Betrag Y, der alle Materialkosten und Laborleistungen beinhaltet.

Das gäbe eine „Bierdeckelrechnung“ und damit ein Minimum an Verwaltungserfordernissen. Dafür bräuchte man nicht mal einen Taschenrechner, geschweige denn eine aufgeblähte EDV oder eine spezialisierte Abrechnungsexpertin. Es ginge handschriftlich auf einem selbstdurchschreibenden Zweckform-Avery-Vordruck.

„Undenkbar!“ höre ich jetzt die Funktionäre schreien. Einer sagte mir mal: „Sie sind ja ein kleiner Revoluzzer…aber das funktioniert doch nicht..“ Und ungläubig: „Wollen Sie etwa im Vorfeld wirklich jede Watterolle, jedes Keilchen, jede Kanüle, jede Matritze mit einrechnen?“

Natürlich, muss ich doch. Die teureren Sachen einzeln, die billigeren pauschal. Macht der Handwerker nicht anders. Schrauben sind nicht umsonst, nicht der Dichtungshanf oder das Schmirgelpapier. Und meinen „kalkulatorischen Arzt-Stundenlohn“ will ich eigentlich auch selber festsetzen. Diese „Freiheit“ sollten wir für uns schon fordern.

Sind diese Gedanken der „Vertragsfreiheit“ wirklich so revolutionär?

Natürlich nicht: wie schon so oft ist ein Blick zurück auf das Gestern für das Verständnis des Heute und für den Weg in die Zukunft sehr hilfreich. Denn Vorläufer der GOZ 1988 und der Bugo-Z von 1965 war die sogenannte Preugo. Diese stellte „subsidiäres Recht“ dar, das „mangels einer Vereinbarung“ Anwendung fand. Es existierte damals Vertragsfreiheit. Das, was Zahnarzt und Patient als Honorar vereinbarten, galt. Nur wenn keine Vereinbarung über das Honorar getroffen wurde, galt die Preugo. Das funktionierte. Bei dem einen Zahnarzt sehr gut, beim anderen schlechter.

Die Bugo-Z von 1965 änderte dieses Regel-Ausnahme-Verhältnis: im Regelfall war von der Bugo-Z von 1965 auszugehen; eine abweichende Regelung war die Ausnahme und setzte eine ausdrückliche Vereinbarung voraus.

Die GOZ 1988 ließ dann nur noch eine abweichende Vereinbarung bezüglich der Höhe der Vergütung zu (§ 2 Absatz 1 GOZ). Die Entwicklung von der Preugo bis zur GOZ 1988 zeichnet also einen politischen gewollten Weg: nämlich weg vom Grundsatz der Vertragsfreiheit hin zum staatlichen Preisdiktat.

Die GOZ 2012 setzte diesen Weg quasi konsequent fort. „Mit Gebührenordnungen sorgt der Gesetzgeber ganz bewusst dafür, die zahnmedizinische Versorgung nicht dem freien Markt zu überlassen.“ Dieses Zitat aus dem Vorwort der BZAEK zum GOZ-Kommentar 2012 kann man gar nicht oft genug lesen.

Weniger „Vertragsfreiheit“ ist ein Ziel jeder Gebührenordnung! Und liest man den Bericht der Bundesregierung an den Bundesrat zu den Auswirkungen der GOZ 2012 so finden sich interessante Feststellungen:

„Die mit der GOZ-Novelle angestrebte Reduzierung sowohl der Analogbewertungen von häufig erbrachten Leistungen als auch der Anzahl von schwellenwertüberschreitend berechneten Gebührenpositionen konnte erreicht werden. „

Na herzlichen Glückwunsch, Politik und Erstatterlobby. Wozu genau wurde die GOZ novelliert? Um für die Zahnärzte nach Jahrzehnten adäquate Honorare umzusetzen? Nein, um die Analogien rauszukicken und die Faktoren runterzuholen. Das ist jetzt amtlich.

„Der Anteil der schwellenwertüberschreitend abgerechneten Leistungen an der Gesamtheit aller berechneten Leistungen hat sich in der GOZ-Analyse der BZÄK um mehr als die Hälfte von rund 24,5 Prozent im Jahr 2011 auf rund 11,1 Prozent im Jahr 2012 reduziert.“

Das sind mal valide Zahlen. Nun, da rechnen ja nun offenbar nicht mehr wirklich viele Kolleginnen und Kollegen nicht mehr wirklich viele Leistungen über 2,3fach ab.

Wenn man die Verhandlungen zur neuen GOÄ aufmerksam verfolgte, ist absehbar, wo die GOZ in absehbarer Zukunft endet. Mit zwei Gebührensätzen: „robust einfach“ oder „einzelfallbegründet doppelt“.

Und dann wird auch endgültig Schluss sein mit Analogien. Und auch die „freien Vereinbarungen“ werden zur Disposition stehen, „weil man sie doch eh fast nicht nutzt.“ Die Gebührenordnungen beschreiben umfassend alle Möglichkeiten der Medizin. Basta. Anders ist der Weg in eine „Bürgerversicherung“ wohl auch nicht gangbar.

Zukünftig wird also wohl jeder seine eigenen Preise machen müssen, wenn er in dieser neoliberalsozialistischen Republik, in dem man sogar von Seiten der Ärzteschaft einen „Minutenlohn“ von 1,36 € (http://www.medical-tribune.de/home/news/artikeldetail/goae-reform-noch-nichts-in-stein-gemeisselt.html) als hinreichend angemessen betrachtet, selbstständig auskömmlich leben will. Denn schon der Depot-Techniker, der Validierer oder der Steuerberater kosten in meinem Paralleluniversum pro Minute deutlich mehr.

Unsere berufsständischen Körperschaften sind wie immer hilflos: sie fordern allenfalls – und das sehr verhalten – eine „Punktwerterhöhung“ für die GOZ.

Kann man natürlich fordern. So wie die Abschaffung des Solidaritätszuschlags oder endlich die Anpassung des steuerlichen Existenzminimums für Kinder. Oder die Korrektur des Alterseinkünftegesetzes. Oder den Weltfrieden. Aber kommen wird sie deshalb nicht.

Wenn man den Bericht der Bundesregierung an den Bundesrat aus 2015 liest, ist doch mit einer Punktwerterhöhung der GOZ überhaupt nicht zu rechnen. Denn schließlich überschreite ja, so wird quasi amtlich festgestellt …„der nach der GOZ-Novelle 2012 festgestellte Honoraranstieg von rund 9,2 Prozent den prognostizierten Honoraranstieg von 6 Prozent“. Hey, da haben die Zahnärzte doch wohl mal wieder zugelangt, oder? 9,2 % mehr Honorar! Was wollen die jetzt noch?

Das sind und waren die Taschenspielertricks unlauterer Politik. Darin ist das Kabinett Merkel meisterhaft. Und kein Widerspruch der Zahnärzteschaft? Oder habe ich was verpasst? Nein? Dann stimmt’s doch wohl.

„Back to the future“…. das sollte das Motto der Zahnärzte im Jahr 2020 werden.

Zurück in die Zukunft: zur Vertragsfreiheit.

Zurück in die Zukunft: zur patientenorientierten Behandlung und zur betriebswirtschaftlich fundierten Honorierung.

„I guess you guy`s aren’t ready for that…. but your kids gonna love it!“

 

Grüße vom Lande,

Thomas Weber