Duplizität der Ereignisse – Apical Split (5)

Bisher hatte alles gut geklappt.
Die bisherigen Kapitel gibts hier, hier, hier und da.

Jetzt galt es nur noch, die beiden Wurzelkanäle abzufüllen.

Wobei – „nur noch“ als Umschreibung geht an der Sache deutlich vorbei, denn wie bitte sollte man diese beiden Kanäle adäquat verschliessen, wenn bei der Masterpointaufnahme gerade mal zwei ISO-genormte Guttaperchastifte sich an einander vorbei in die Tiefe quetschend auf Arbeitslänge einbringen liessen. 6 Prozent getaperte Stifte ? Keine Chance, schon die 4er Konizitäten scheiterten.


Grundsätzlich kommen für mich 3 verschiedene Verfahren in Betracht:

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Duplizität der Ereignisse – Apical Split (Teil 4)

Bis hierher hat alles gut geklappt.
Der erste der beiden Wurzelkanäle, der einfachere,  ist aufbereitet.

Warum sollte man mit dem leichteren, besser zugänglichen beginnen ?
Weil wir im vorliegenden Fall keine Einsicht haben, die jeweiligen Kanaleingänge betreffend und daher ausschließlich auf unseren Tastsinn angewiesen sind.

Die Vorgehensweise ist demnach wie folgt:

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Danke Marcus, Nils, Stephan, Andras 20200131

Zwei Fragmententfernungsfälle von heute, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, wenn man davon absieht, dass es sich in beiden Fällen um sehr lange Fragmente handelt.

Fall 1

Fragmente

Zahn 47, neue Krone, nach Eingliederung mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung Schmerzen. Endo durch den Hauszahnarzt, dabei Fraktur eines sehr großen, sehr langen maschinellen Aufbereitungsinstrumentes. Es ragt in die Kavität hinein, die Entfernung gelingt in unseren Händen sehr einfach. Alle freuen sich, der Patient zahlt dennoch das Honorar für die Fragmententfernung bis heute, dem WF- Termin,  nicht und bittet um Stellungnahme. Seine private Krankenversicherung halte die Fragmententfernung für einen Teil der Wurzelkanalaufbereitung, das Honorar sei demnach nicht gerechtfertigt.

Heute fand die WF statt.

Fall 2

Fragmente-4

Zahn 17, gekrümmte Wurzel, das Fragment liegt hinter der Kurvatur, ein extrem enger Wurzelkanal. Es dauert rund eine Stunde, bis wir es soweit freilegen können, dass der Fragremover (in diesem Falle die Variante von Andras Csögor) zum Einsatz kommen kann. Nachdem die Schlinge umgelegt werden kann, gelingt die Extraktion auf Anhieb. Getanzt, diese Anmerkung sei für alle Teilnehmer von Terauchi – Kursen angefügt, hat hier im Übrigen gar nix. Und das extrem festsitzende Fragment war so dünn, das über jeglichem Kontakt mit Ultraschall immer das Damoklesschwert der ermüdungsbedingten Fraktur im Raum stand.

Umso erfreulicher das Ergebnis der Fragmententfernung wie auch der Aufbereitung des Kanals bis hin zu einer Wave One Gold 35.

Weiter geht es mit den Ergebnissen der beiden Behandlungen bei WURZELSPITZE.

Kurz belichtet- Kurz berichtet 20200128

Letzten Donnerstag.
Letzter Arbeitstag der Woche. Vorträge am Wochenende zählen ja bekanntlich nicht. Soweit zum Thema Selbstausbeutung.
Egal – ein Tag, zwei 6 Monate-Recalls. Beide Fälle aus unterschiedlichen Gründen keine „textbook cases“, der zweite sogar phänotypisch ausgesprochen hässlich, aber dennoch Anlass, gut gelaunt ins Wochenende zu gehen.

Fall 1
Ein Kollege möchte gerne den Zahn 25 einer seiner Mitarbeiterinnen überkronen. 4 Jahre nach WF ist alles unauffällig. Er findet, man habe lange genug gewartet, möchte aber sicherheitshalber diesbezüglich meinen Rat. Das analoge Röntgenbild ist nicht eindeutig, erst recht nicht eindeutig positiv. Ich schlage ein DVT vor, aber schon im digitalen Kontrollröntgenbild im Rahmen der Patientenberatung zeigt sich eine ausgeprägte laterale Aufhellung, weshalb ich die Revision anrate.


Intraoperativ findet sich eine vorhandene Via falsa im apikalen Bereich. Eine Erschließung des ursprünglichen Kanalverlaufes ist nicht möglich.

Fast Forward.
Der Zahn nach WF und nun heute, 6 Monate post WF.



Fall 2



Ein Herodontics Fall ? 9 mm Tasche vestibulär. Sicherlich jedoch ein Zahn 36 mit einer ganz besonderen Anatomie. 3 Wurzelkanäle in der mesialen Wurzel, 2 Kanäle in der distalen. Soweit noch nichts SO Aussergewöhnliches. ABER – Die jeweilig vestibulären Kanäle liegen extrem weit aussen. Keine Isthmus, keine weisse Linie als Hinweis. Ohne DVT wäre ich niemals auf die Idee gekommen, so weit aussen zu suchen. Ich wäre von 3 Kanälen ausgegangen, weil die zunächst aufgefundenen scheinbar symmetrisch lagen, das klassische Indiz für eine regelkonforme Anatomie. Und trotz DVT musste ich distal noch sehr sehr lange suchen. Massive Überpressung von Sealer.

Woher ich weiss, das es Sealer ist, was überpresst wurde ?
Unser Calciumhydroxid hätte sich in der vergangenen Zeit schon wesentlich mehr abgebaut.

Aber immerhin. Die apikale Aufhellung an der distalen Wurzel ist schon verschwunden und um die mesiale Wurzel sieht es auch deutlich besser aus.

Die gesamten Röntgenbilder zum Fall gibt es auf WURZELSPITZE.

Duplizität der Ereignisse – Apical Split Teil 2

Wissen Sie was das Schöne an WURZELSPITZE ist ?
Das hier Tag für Tag aus dem endodontischen Alltag berichtet wird.

Keine Sonntagsfälle, keine „textbook cases“.
Auch wenn das eine oder andere Ergebnis möglicherweise als druckreif zu bewerten wäre.

Tagesgeschäft also. Und deshalb passieren dann auch so Dinge wie „Duplizität der Ereignisse – zwei Prämolaren mit „apical split“ innerhalb von 24 Stunden in 2 unterschiedlichen WURZELSPITZE-Praxen.

Wäre das nicht eine prima Idee, einmal zu schauen, wie diese Fälle gelöst werden in den jeweiligen Händen?   Vor allem – mit Ansage demnach. Denn zur Erstvorstellung des Falles war der Zahn noch nicht berührt, lediglich die Erstuntersuchung und die Röntgendiagnostik waren gelaufen.

Kein Sicherheitsnetz.
Kein doppelter Boden.
Kein Vorhang, hinter dem man sich verstecken könnte, auch wenn die Situation möglicherweise ein schwierige ist, die ein Scheitern nicht unrealistisch erschein lässt.

Und ein toller Fall, um in die Details zu gehen.

Darüber werde ich ausführlich schreiben die nächste Tage.
Vorweg jedoch der Fragenkatalog an die Mitleser.

Was erwartet uns hier ?
Was muss man bedenken?
Wo sind die Schwierigkeiten ?
Und wie konkret geht man vor, was resultiert daraus?

Noch eine Vorab-Info, den Fall betreffend: Zahn 15 wurde auf Grund einer Schmerzproblematik wurzelkanalbehandelt. Nach initialer Behandlung schmerzfrei, nach WF wieder stärkere Schmerzen, weshalb die Hauszahnärztin die WF wieder entfernte (siehe Röntgenbild) und die Patientin an uns überwies.

Ein Muss für jeden Zahnarzt – Bester Beitrag zur Lage des Gesundheitsystems in Deutschland, denn ich je gelesen habe

Der nachfolgende Text – durch Zufall gelesen, von einem ärztlichen Kollegen aufgetan – sollte eigentlich Pflichtlektüre sein für alle Beteiligten im Gesundheitswesen.

Zumindest jedoch für Jeden, der in Erwägung zieht, diesen Beruf zu ergreifen.
Jeder hier nehme sich zum Wochenende die 5 Minuten Zeit, um in Ruhe die Bestandsaufnahme des Kollegen zu Ende zu lesen.

Da steht alles drin, was man wissen muss.
Um die richtigen Schlüsse zu ziehen.
Denn merke – der Artikel ist von 1966 und es hat sich NICHTS aber auch wirklich GAR NICHTS geändert in diesem unserem Lande.

Was uns zur Erkenntnis führt – wer auf Hilfe oder Abhilfe von aussen oder von oben hofft, der ist hoffnungslos naiv. Oder total deppert.

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Fall zum Wochenende Teil 4

 

Heute möchte ich abschließend berichten, wie es mit dem Fall, über den hier, hier und hier berichtet wurde, weiterging.

Eigentlich bin ich davon ausgegangen, dass die Behandlung übel enden wird.

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Man kennt das ja, dieses Gefühl, dass einem sagt, man sollte besser die Finger weg lassen vom Behandlungsfall, nicht der endodontischen Situation wegen, sondern…..

 

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50 nicht von der Hand zu weisende, ausgesucht gute Gründe, sich auf Endodontie zu spezialisieren“ – Episode 10: „Catch 22!“

„Catch 22“ ist ein Kriegs/Antikriegsfilm von 1970. Regie Mike Nichols. Der Film basiert auf dem 1961 veröffentlichten gleichnamigen Roman von Joseph Hiller.

Kurzer Abriss der Handlung, Wikipedia entnommen: Im Roman Catch-22 versucht Captain (Hauptmann) John Yossarian, im Zweiten Weltkrieg als Bombenschütze einer North American B-25 der US Air Force auf der Insel Pianosa im Mittelmeer stationiert, sein eigenes Leben vor verschiedenen irrealen und realen Bedrohungen zu schützen, indem er sich krankschreiben lässt oder versucht, durch Sollerfüllung nach Hause geschickt zu werden. Das Soll an notwendigen Feindflügen wird jedoch kontinuierlich erhöht.

Die andere Möglichkeit, nämlich durch eine Krankschreibung nach Hause zu dürfen, macht aber eine obskure Regel, genannt Catch-22, mit paradoxen Begründungen unmöglich. So kann nur nach Hause geschickt werden, wer geisteskrank ist und selbst danach verlangt. Wer aber selbst verlangt, nach Hause geschickt zu werden, kann nicht geisteskrank sein und wird entsprechend nicht nach Hause geschickt. Schließlich ist der Wunsch, sein Leben durch Sich-Drücken vor dem Kriegsdienst zu retten, ein Beweis für das tadellose Funktionieren des Verstandes.

Beim Truppenarzt Doc Daneeka, der dauernd um seine eigene Gesundheit besorgt ist, eruiert Yossarian die Möglichkeiten, wegen Verrücktheit fluguntauglich geschrieben zu werden, weil er bei seinen Einsätzen immer schreckliche Angst habe. Doch Doc Daneeka klärt ihn auf, dass es völlig normal sei, bei einem Feindflug verrückt vor Angst zu sein. Hätte er allerdings bei einem Feindflug keine Angst, wäre er verrückt und müsste auf dem Boden bleiben. Da beginnt Yossarian, den tieferen Sinn von Catch-22 zu begreifen.

Catch-22 existiert eigentlich gar nicht (was aber keine Rolle spielt, solange alle daran glauben), wird aber trotzdem als Rechtfertigung für verschiedene Ungerechtigkeiten und Widersprüchlichkeiten bemüht – eines von vielen Beispielen für die sarkastische Art und Weise, mit welcher die Dummheit des Systems und seiner Jünger zur Schau gestellt wird. Catch-22 ist der hinterhältige Trick eines absurden Systems (verkörpert durch die United States Army Air Forces und ihre verrückten Stabsoffiziere), den Einzelnen (verkörpert durch den geistig gesunden Yossarian) immer als Verlierer dastehen zu lassen.

Zurück zur Zahnmedizin.
Dieses Szenario passt wie die berühmte Faust aufs Auge. Wir müssen nur ein paar Worte austauschen:

Catch 22 ist eines von vielen Beispielen für die sarkastische Art und Weise, mit welcher die Dummheit des Systems und seiner Dienstleister, sprich Zahnärzte zur Schau gestellt wird. Catch-22 ist der hinterhältige Trick eines absurden Krankenkassen-Systems, den Einzelnen (ich gebrauche hier gerne exemplarisch die Thomas Webersche Phrase des Landzahnarztes) immer als Verlierer dastehen zu lassen.

Beispiel gefällig ?

Die Frage: Bin ich als Zahnarzt verpflichtet, dem Patienten eine kostenlose Kassenendo anzubieten?

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Fall zum Wochenende Teil 3

Bislang berichtet wurde über diesen Fall hier und hier.

Wie ging´s weiter.

Ich hätte nicht übel Lust gehabt, die Behandlung gar nicht erst anzufangen.
Zur Erinnerung. Die Patientin betrat auf Grund einer Wartezeit von 30 Minuten zutiefst erzürnt das Behandlungszimmer.
Aber CAVE – gerade solche Patienten bergen auch bei Nichtbehandlung ein hohes Konfliktpotential. Eine wohl abgewogene Vorgehensweise ist zwingend erforderlich, zumindest sinnvoll, will man noch mehr Schwierigkeiten im Nachgang vermeiden.

Und in unserem Falle hatte die Patientin ja in der Tat 30 Minuten gewartet, das war Fakt, egal wie man ihren furienhafter Auftritt für sich selbst bewerten möchte.

Ich habe also die endodontische Behandlung, wie für die erste Behandlungssitzung anvisiert, durchgeführt. Es war extrem schwierig, aber ich konnte die Kanäle apikal  erschliessen und Patency herstellen, so dass aus meiner Sicht eine Weiterbehandlung als sinnvoll anzusehen war.

Dies habe ich der Patientin mitgeteilt.
Und sie anschließend an ihre Hauszahnärztin zurücküberwiesen.

„Wir haben die Voraussetzungen geschaffen dafür, dass ihre Hauszahnärztin die Behandlung wie von Ihnen gewohnt, weiter- und zu Ende führen kann.“

DAS allerdings wollte die Patientin aber auch nicht. Resolut antwortete sie : „Ich möchte, das SIE die Behandlung weiterführen!“

„Es tut mir leid, aber ich sehe mich ausserstande, ihre zeitlichen Erwartungen Ihnen garantieren zu können“, erwiderte ich.

Darauf die Patientin kühl:  „Ich denke, wir sollten das Ganze professionell angehen. Ich war verärgert. Und ich habe, das ist mein gutes Recht, meinem Ärger Ausdruck gegeben. Ich betrachte die Angelegenheit damit als erledigt.“

Und – um es vorweg zunehmen, genau so handhabte sie das die weiteren Behandlungstermine. Als hätte es ihren Auftritt nie gegeben.

Nachfolgend 3 Zahnfilme. Vor der Behandlung, nach Applikation CaOH2, nach WF.

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