„Sie können es ja rausmachen, wenn es Sie stört.“

Diesen Freitag wieder mal eine Doppelausgabe mit dem 1. Teil veröffentlicht am 30. September 2013 von Bodald Necker.

Dieses Röntgenbild wurde mir zugeschickt mit der Frage:
„Was ist das in dem Kanal?“

Vorgeschichte:
Der Patient war zur Wurzelkanalbehandlung an Zahn 21 im deutschsprachigen Ausland. Der Patient bemerkte während der Behandlung ein relativ lautes Knacken, welches vom Behandler aber nicht kommentiert wurde.
Nach einiger Zeit fing der Zahn an zu schmerzen. Ein Kollege im Inland war nun nach Wohnortwechsel mit der weiteren Behandlung des Zahnes betraut.
Versuch der Revision scheiterte an einer Blockade im mittleren Kanaldrittel.
Rückfrage beim Vorbehandler bezüglich des eingebrachten Materials (metalldichte Verschattung) brachte nichts, ausser der Bemerkung:
„Sie können es ja rausmachen, wenn es Sie stört. Ich habe die Wurzelbehandlung ordentlich gemacht, der Zahn geht mich nichts mehr an.“

Jetzt kommt das Röntgenbild zu mir mit der Frage, was das sein könnte.

Apikal zeigt sich leicht extrudiertes Material, sowie eine kleine Osteolyse, evtl. auch eine geringe Resorption/Lyse der Wurzelspitze. Und eben eine metalldichte Verschattung im mittleren und unteren Kanaldrittel, bei der es beim Überweiser kein Durchkommen gab (soviel ich weiss, kamen dort weder Bohrer, US, noch chemische Mittel zum Einsatz).

Im Original kommt hier eine Umfrage.
Da diese hier nicht mehr funktioniert, kommt hier die Auflösung im 2. Teil vom 13. Januar 2014, ebenfalls Bodald Necker
.

„Sie können es ja rausmachen, wenn es Sie stört.“ – Auflösung

Vor einiger Zeit hab ich diesen Fall vorgestellt. Mit der Frage, was denn das im Kanallumen sei. Gerne hätte ich die Auflösung schon eher vorgestellt, der Patient hatte aber – trotz Schmerzen – immer wieder seine Termin abgesagt.
Egal, nun war er da und wir haben den Kanal aufgemacht.

Was haben wir gefunden?

  • 2 Guttaperchastifte
  • viiiiiieeel Sealer
  • Eiter

Es war weder ein Stift jeglicher Form, noch ein abgebrochener Bohrer, es war einfach nur viel WK-Sealer, der sich apikal schön abgerundet auf dem Röntgenbild zeigte.

Nach der Trepanation zeigt sich im koronalen Bereich viel Guttapercha. Sobald an dieser manipuliert wurde, drang sofort Eiter an die Oberfläche. Die GP-Stifte konnten ohne Mühe mit Hedstrøm-Feilen entfernt, der Sealer konnte mit US-Spitzen von der Kanalwand „geschält“ werden. Desinfektion erfolgte mit NaOCl und US, der Kanal konnte getrocknet werden, medikamentöse Einlage mit Ah-Temp. Verschluss adhäsiv.
Der Apex war weit geöffnet, so dass vom Vorbehandler schon GP in den periapikalen Bereich extrudiert wurde. Dieses konnte auf Grund der gegebenen Zeitknappheit noch nicht entfernt werden. Das wird aber in der nächsten Sitzung erste Aufgabe sein.

„Navigierte“ Fragmententfernung

Das erste Mal veröffentlicht am 7. März 2014 von Ronald Wecker.

Bereits das präoperative Einzelbild liess erahnen, dass die Entfernung des längeren Lentulofragmentes keine einfache sein würde. Das ebenfalls angefertigte DVT ergab zudem ein resorptives Geschehen im Bereich der Wurzelspitze der  mesiobukkalen Wurzel des 27.

Dadurch bestand die Gefahr, dass bei einem ungeplanten Agieren mit Ultraschallansätzen das Fragment nach palatinal in den Bereich der periapikalen Lyse verbracht werden könnte.

In Behandlungsfällen wie dem hier gezeigten bietet das DVT die Möglichkeit das therapeutische Vorgehen noninvasiv zu planen und den Patienten bereits präoperativ eine recht genaue Einschätzung zur Durchführbarkeit der Fragmententfernung zu geben.

Das Vorhandensein eines unbehandelten MB2 und der tief hinabreichende Isthmus zwischen MB1 und MB2 war dabei von entscheidender Bedeutung. Etwas vereinfacht wurde es zudem dadurch, dass das nicht erhaltungswürdige Implantat in regio 26 zwei Wochen vor der endodomtischen Revisionsbehandlung entfernt wurde. Somit war ein geradliniger Zugang zum koronalen Fragmentanteil möglich.

Nach Entfernung der Obturationsmassen wurde zunächst der schlitzförmige Isthmus anfangs hantelförmig und dann bohnenförmig erweitert. Um ein Verbringen nach periapikal zu vermeiden wurde das Fragment immer nur in einem Sektor von ca. 110 Grad und immer in einer nach bukkal gerichteten Bewegung mit Ultraschall bearbeitet.

Nun wird das Röntgen-Recall zeigen müssen, ob die Behandlung auch im biologischen Sinne erfolgreich war.

Hätten Sie es gesehen? Teil 1 und 2


Heute beide Teile des Artikels

Erstmals veröffentlicht am 5. Januar 2012 von Ostidald Wucker

Nebenbei sagte der Patient, daß er manchmal ein ungutes Gefühl an dem linken oberen Frontzahn hat. Besonders, wenn er Fahrrad im Gelände fährt.
Das angefertigte Röntgenbild (1) zeigte keine augenfällige Veränderung. Die Sondierungstiefen sind nicht erhöht, Lockerungsgrad 0, Sensibilität ( Kälte ) positiv.
Nach einem längeren Auslandsaufenthalt erscheint der Patient wieder in der Praxis. Auf Nachfrage ergibt sich: „Ja, manchmal ist es immer noch so.“
Die Sondierungstiefen sind nicht erhöht, Sensitest auf Kälte, elektronisch und Probetrepanation positiv. Labial lässt sich auf Palpation ein Druckgefühl provozieren.
Ein neues Röntgenbild (2) zeigt wiederum keine augenscheinliche Veränderung.
Der Patient kann sich an keine traumatische Zahnverletzung oder einen Sturz erinnern.

Und nun?
Wir haben nach ausführlicher Beratung ein DVT veranlasst.

Haben wir es gesehen: Nein.
Hätte man dies vermuten können? Ja, vermutet haben wir etwas.
Nicht in dieser Ausdehnung und wir waren uns sehr unsicher. Deshalb benötigten ein weiteres diagnostisches Hilfsmittel.
Und der Sensibilitätsreiz? Könnte durch das große möglicherweise flüssigkeitsgefüllte Lumen des Wurzelkanalsystems weitergeleitet werden. Die Sensibilitätswahrnehmung bei dem Patienten war bei den wiederholten Messungen mit Kälte und elektronisch nahezu zeitgleich.

Bild 1
Bild 2
DVT

Und hier der 2. Teil

Hätten Sie es gesehen? (2)

Veröffentlicht am 16. Januar 2014 von Ostidald Wucker

Auf Grund der vorliegenden DVT Aufnahmen waren wenige Überraschungen in der Behandlung zu erwarten.

Trotz Anästhesie gab der Patient ein Schmerzgefühl an. Dies war bereits früher aufgefallen. Auf Kälte und elektronische Reize gab der Patient immer eine positive sensible Reaktion an.
Wir führen dies auf den flüssigkeitsgefüllten Hohlraum (Pulpa/Wurzelkanalsystem) zurück, der Druckveränderungen schnell weiterleitet. Die Sensibilität war mit der Trepanation der Pulpakammer verschwunden.
Nach dem Gestalten der Zugangskavität war ein relativ lange Sekret-, richtiger Exsudatabsaugung (30 Minuten) notwendig.

Die Aufbereitung erfolgte bis #60.04 unter aktiver ultraschallgestützter Spülung mit Natriumhypochlrit und Zitronensäure. Es wurde Ca(OH)2 (Ultracal XS) eingebracht.

In der nächsten Sitzung wurde nach einer abschließenden Desinfektion mit Natriumhypochlorit der Zahn apikal mit ProRoot MTA verschlossen. Zur besseren Kontrolle  des Plugs haben wir nach einem Hinweis von Stefan Verch mit einem individualisierten Guttaperchastift und nicht mit einer Papierspitze, bzw. Plugger gearbeitet. Die Bewegung konnte in meinen Händen besser kontrolliert werden und eine apikale Überpressung ließ sich durch eine entsprechende Längenmarkierung vermeiden. Das apikale Foramen war nicht einsehbar.

Im ersten Recall nach 3 Monaten war eine Heilungstendenz erkennbar und lässt uns optimistisch in die Zukunft schauen.

Ausgangsbild
DVT
Messaufnahme und Calciumhydroxid
Masterpoint 1 und 2
MTA und Abschlusskontrolle
Abschlussaufnahme und 3 Monate Recall

Die „radiologische Zyste“ (4)

Im letzten Fall zu dem Thema haben wir eine merkwürdige Ausgangssituation.

Die Patientin wurde uns von einem Oralchirurgen überwiesen, mit der Bitte noch mal zu prüfen, ob der Zahn zu erhalten ist. Die Patientin wünscht den unbedingten Erhalt des Zahnes und lehnt eine Implantation ab.
Diagnose: Z.n. WKB, WSR und Zystektomie vor mehr als 3 Jahren

Befunde: kein Lockerungsgrad, keine erhöhten Sondierungstiefen, keinerlei  Narbenbildung nach WSR.
Es besteht kein Perkussionsschmerz lat/inz, kein Aufbisschmerz, nur ein ständiges Druckgefühl.

Weiterlesen auf Wurzelspitze

Was wäre, wenn …?

von Donald Becker

Was wäre gewesen, wenn ich nach vielen Jahren der endodontischen Tätigkeit und entsprechenden Misserfolgen nicht darauf trainiert gewesen wäre, in jedem auf den ersten Blick simpel erscheinenden Zahn, das Versteckte zu vermuten? Doppelkonturen und die Veränderung der Weite des Kanalsystems im Verlauf von koronal nach apikal waren die ersten Hinweise auf eine apikale Aufgabelung in diesem 15.

Was wäre gewesen, wenn ich nach Darstellung der beiden Kanalorifizien, sofern mir dieses ohne Mikroskop gelungen wäre, auf den gemeinsamen Kanalverlauf im mittleren Drittel gestossen wäre, ohne von der apikalen Aufgabelung zu wissen?

Die vollständige Behandlungsdokumentation findet sich auf Wurzelspitze.

Die „radiologische Zyste“ (3)

Fall 2 aus den vorgestellten Beispielen.
Die Patientin, selbst Zahnärztin wurde uns von einem Kollegen überwiesen.
Folgenden Bericht habe ich erhalten:

Sehr geehrter Dr. XXXX,

anbei sende ich Ihnen Röntgenaufnahmen der oberen Schneidezähne einer an Sie überwiesenen Patientin…

weiterlesen auf Wurzelspitze

Keine Angst vor bösen Stiften!

von Donald Becker

Der Titel des heutigen Beitrages schmückte in leicht abgeänderter Form sowohl einige Wurzelspitzebeiträge als auch 90-minütige Vorträge.

Der Hauptdarsteller dabei immer: Das Thomas-Post-Puller-System. Wenn es nicht bereits verfügbar wäre definitiv etwas was erfunden werden müsste.

Und, wie ich finde, eine in einer spezialisiert arbeitenden Praxis eine Investition, die sich rentiert. In Zeit (und somit in Geld) und im Sinne von vorhersagbarer Machbarkeit einer Behandlung.

Alternativlos?

von Donald Becker

Das präoperative Einzelbild ließ in Verbindung mit dem Wissen, dass die vorgefundene Situation seit mehr als 2 Jahren bestand, eigentlich nur einen Therapievorschlag als sinnvoll erscheinen: Pulpektomie in einzeitigem Behandeln.

Anamnestisch wartete allerdings bereits die erste Überraschung, die nicht so recht ins Bild passen wollte: ausser geringer Missempfindungen, wenn eingepresste Speisereste mittels Zahnbürste oder Zahnstocher herausgelöst wurden, bestand weder eine Spontanschmerz, noch berichtete die Patientin über Warm- oder Kaltmissempfindungen.

Der Sensibilitätstest war nicht reizüberdauernd positiv. Klinisch war der Zahn symptomlos.

Die im Einzelbild erkennbare und im kleinvolumigen DVT ebenfalls darstellbare Hartsubstanzbarriere liessen mich dann jedoch nachdenken und die Möglichkeit einer zervikalen Pulpotomie  in Betracht ziehen. Zudem zeigten sich alle Parodontalspalten an allen Apizes durchgehend und pathologiefrei.

Auf Wurzelspitze gibt es die vollständige Behandlungsdokumentation.

 

Thomas System in Aktion

Erstmals veröffentlicht am 12. Februar 2014 von Ronald Wecker.

Gegossene Stiftaufbauten und zementierte Schrauben stellen bei der endodontischen  Revisionsbehandlung oftmals die erste zu überwindende Hürde dar.

Das Thomas-Stiftentfernungssystem wurde hier auf Wurzelspitze schon häufig erwähnt, ermöglicht es doch  sehr vorhersagbar die Überwindung solcher Hürden.

Nachfolgend das Vorgehen in bewegten Bildern.