50 nicht von der Hand zu weisende, ausgesucht gute Gründe, sich auf Endodontie zu spezialisieren“ – Episode 12: „Micro Adjustments!“

Ich bin kein Freund von Anglizismen.
Zumindest, solange es deutsche Wörter gibt, die den zu beschreibenden Sachverhalt in gleicher Weise wiedergeben und es demnach nur darum geht, cooler, hipper, trendiger rüberzukommen, statt die scheinbar verstaubte Muttersprache anzuwenden. Gerne zitiere ich in diesem Zusammenhang wieder die Mutter aller Hipster- Anglizismen, Jil Sander, mit ihrem legendären Statement aus dem Jahre 1996:

„Ich habe vielleicht etwas Weltverbesserndes. Mein Leben ist eine giving-story. Ich habe verstanden, daß man contemporary sein muß, das future-Denken haben muß. Meine Idee war, die hand-tailored-Geschichte mit neuen Technologien zu verbinden. Und für den Erfolg war mein coordinated concept entscheidend, die Idee, daß man viele Teile einer collection miteinander combinen kann. Aber die audience hat das alles von Anfang an auch supported. Der problembewußte Mensch von heute kann diese Sachen, diese refined Qualitäten mit spirit eben auch appreciaten. Allerdings geht unser voice auch auf bestimmte Zielgruppen. Wer Ladyisches will, searcht nicht bei Jil Sander. Man muß Sinn haben für das effortless, das magic meines Stils.”

Ich habe daher lange überlegt, wie ich den Begriff „micro adjustments“ in deutscher Sprache wiedergebe.
Und bin letztendlich bei „Detailverbesserungen“ hängengeblieben.
Aber so ganz trifft es das nicht.
Jil würde sagen, der spirit kommt nicht authentic rüber, die Beschreibung ist nicht edgy genug.

Daher dann doch „micro adjustments“

Was meine ich damit?

Ich versuche den Sachverhalt an einem konkreten Beispiel zu erläutern.
Haben Sie sich schon mal in ihrer Praxis Gedanken gemacht darüber, wie Ihnen die Guttaperchaspitzen im Rahmen der Wurzelkanalbehandlung angereicht werden ?

???
Ich spüre schon ihre Einwände.
Wie jetzt?
Was bitte ist an der Übergabe von Guttaperchaspitzen auch nur einen Gedanken wert ?
Und welche Möglichkeiten soll es geben, Guttaperchaspitzen anzureichen, die es wert wären, sich darüber Gedanken zu machen ?

Weiter geht es hier.

Die „radiologische Zyste“ (3)

Fall 2 aus den vorgestellten Beispielen.
Die Patientin, selbst Zahnärztin wurde uns von einem Kollegen überwiesen.
Folgenden Bericht habe ich erhalten:

Sehr geehrter Dr. XXXX,

anbei sende ich Ihnen Röntgenaufnahmen der oberen Schneidezähne einer an Sie überwiesenen Patientin…

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Keine Angst vor bösen Stiften!

von Donald Becker

Der Titel des heutigen Beitrages schmückte in leicht abgeänderter Form sowohl einige Wurzelspitzebeiträge als auch 90-minütige Vorträge.

Der Hauptdarsteller dabei immer: Das Thomas-Post-Puller-System. Wenn es nicht bereits verfügbar wäre definitiv etwas was erfunden werden müsste.

Und, wie ich finde, eine in einer spezialisiert arbeitenden Praxis eine Investition, die sich rentiert. In Zeit (und somit in Geld) und im Sinne von vorhersagbarer Machbarkeit einer Behandlung.

Die „radiologische Zyste“ (2)

Über die „Un“Möglichkeit an Hand eines Röntgenbildes eine Zyste zu diagnostizieren hatte ich bereits geschrieben.
Quintessenz: Die Diagnose Zyste als Verdachtsdiagnose oder als eine Differentialdiagnose mit Verdacht angegeben.

Der erste Fall aus dieser Reihe

 

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Alternativlos?

von Donald Becker

Das präoperative Einzelbild ließ in Verbindung mit dem Wissen, dass die vorgefundene Situation seit mehr als 2 Jahren bestand, eigentlich nur einen Therapievorschlag als sinnvoll erscheinen: Pulpektomie in einzeitigem Behandeln.

Anamnestisch wartete allerdings bereits die erste Überraschung, die nicht so recht ins Bild passen wollte: ausser geringer Missempfindungen, wenn eingepresste Speisereste mittels Zahnbürste oder Zahnstocher herausgelöst wurden, bestand weder eine Spontanschmerz, noch berichtete die Patientin über Warm- oder Kaltmissempfindungen.

Der Sensibilitätstest war nicht reizüberdauernd positiv. Klinisch war der Zahn symptomlos.

Die im Einzelbild erkennbare und im kleinvolumigen DVT ebenfalls darstellbare Hartsubstanzbarriere liessen mich dann jedoch nachdenken und die Möglichkeit einer zervikalen Pulpotomie  in Betracht ziehen. Zudem zeigten sich alle Parodontalspalten an allen Apizes durchgehend und pathologiefrei.

Auf Wurzelspitze gibt es die vollständige Behandlungsdokumentation.

 

Das Fragebild des Tages 20201211

Kennen Sie noch Dalli – Klick?

Ein JA des Antwortenden outet ihn als uralt.

Worum gings? 
Damals? 
Als das Fernsehen noch schwarz weiss war ?

Eine Quizshow (Dalli Dalli) des legendären Hans „das war Spitze“ Rosendahls.

Und Dalli Klick zeigte ein Foto auf einer Leinwand das nach und nach, Klick für Klick, daher der Name, immer mehr in kleinen sich zeigenden Puzzleteilchen enthüllt wurde. Und wer es zuerst erriet von den Kandidaten, naja, ist klar, der hatte gewonnen.

Ich möchte auch so was machen. 
Hier.
Immer mal wieder. 
Ein Foto oder Röntgenbild zeigen. 
Und dann fragen: Was sieht man? Was ist offensichtlich? Wofür steht dieses Bild/Röntgenbild? 

Um den Blick zu schulen. 
Und wer auf das Bild schaut und sogleich erkennt, was los ist, der darf sich gerne selbst stolz auf die Schulter klopfen. Denn für etliche Kollegen (m/w/d) ist es wahrscheinlich eben gar nicht auf der Hand liegend und ins Auge fallend.

Die Antwort gibt es im Übrigen immer im gleichen Beitrag. 
Man kann also in Ruhe überlegen – und dann sofort überprüfen – in dem man nach unten scrollt – ob man richtig liegt.

Probieren wir doch mal sogleich aus, wie ich mir das vorstelle.

Weiter geht es bei WURZELSPITZE.

Thomas System in Aktion

Erstmals veröffentlicht am 12. Februar 2014 von Ronald Wecker.

Gegossene Stiftaufbauten und zementierte Schrauben stellen bei der endodontischen  Revisionsbehandlung oftmals die erste zu überwindende Hürde dar.

Das Thomas-Stiftentfernungssystem wurde hier auf Wurzelspitze schon häufig erwähnt, ermöglicht es doch  sehr vorhersagbar die Überwindung solcher Hürden.

Nachfolgend das Vorgehen in bewegten Bildern.

Die „radiologische“ Zyste

Und da war sie wieder die Diagnose: Zyste. Radiologisch erhoben. Am Telefon von einem Kollegen, der wiederum hat sie von einem Kieferchirurgen und wo der diese Diagnose her hat, weiß ich nicht.

Die Definition Zyste: Zysten sind als pathologischer Hohlraum mit epithelialer Auskleidung definiert.

Quelle: Johnson N R, Gannon O M, Savage N W, Bat­
stone M D: Frequency of odontogenic cysts
and tumors: a systematic review. J Investig Clin Dent 5: 9–14 (2013)

Nun stellt sich mir die Frage, kann ich im Röntgenbild ein Epithel erkennen?
Nein.
Kann ich dann die Diagnose Zyste stellen?
Nein.
Dann sollte als Diagnose eine Verdachtsdiagnose oder eine Differentialdiagnose mit Verdacht angegeben werden.
weiterlesen auf Wurzelspitze

35 mit tiefer Aufgabelung

von Donald Becker

Bereits das präoperative Röntgenbild liess zumindest ein linguales Kanalsystem vermuten.

Das DVT zeigte jedoch,. dass sich B in der Tiefe in MB und DB aufgabelte, wobei DB in Krümmung nach Distel und MB eher als eine Art Sackgasse und deutlich vor der Arbeitslänge des DB endete.

Das Behandlungsergebnis ist auf Wurzelspitze zu sehen.

Unterkiefer-Prämolar mit Perforation

Veröffentlicht am 26. August 2014 von Donald Becker

Hier ein in meinen Augen interessanter Fall, der uns seit einiger Zeit begleitet hat.

Kurz zu den Hintergründen: Aufgrund von klinischen und radiologischen Befunden wurde bei diesem 76-jährigen Patienten alio loco die (berechtigte) Notwendigkeit einer endodontischen Intervention an Zahn 35 im Sinne der Zahnerhaltung gestellt.

Leider kam es in einer sehr frühen Phase der Therapie zu einer Behandlungskomplikation im Sinne einer Perforation. Daher wurde der Patient an uns verwiesen.

Bei der Erstvorstellung im April 2014 präsentierte sich die Situation als klinisch unauffällig. Nachdem mit dem Patienten die verschiedenen Behandlungsoptionen besprochen wurden entschied sich dieser zur Fortführung der endodontischen Therapie. Im ersten Termin sollte dann eine intrakoronale Diagnostik darüber Aufschluss geben, ob weitere therapeutische Maßnahmen im Sinne der Zahnerhalt erfolgsversprechend wären.

Leider kam es aus persönlichen Gründen des Patienten erst gut 4 (!) Monate später zu einer Behandlung bei uns. Zu diesem Zeitpunkt imponierte nun ein zwischen 33 und 34 gelegenes Fistelmaul. Zur näheren Klärung der Ursache fertigten wir ein Röntgenbild mit Guttaperchastift im Fistelgang an. Dieses verdeutlichte abermals, dass die alleinige klinische Position der Fistel (ggf.) wenig über den Ursprung der Ursache aussagt.

Intrakoronal stellte sich die Situation des Zahnes 35 wie folgt dar:

Klinisch und radiologisch kamen wir zu dem Urteil, dass es sich um eine (knapp) intraalveolär gelegene Perforation handelte. Aus diesem Grund wurde diese nach eingehender Desinfektion mit MTA (Fa.Angelus) abgedeckt. Eine darüber geschichtete Kompositfüllung sollte ferner verhindern, dass der (mühevoll) platzierte Verschluss während der weiteren Therapie wieder (versehentlich) verletzt wird.

Das weiter distal gelegene Kanalsystem konnte in der weiteren Folge recht schnell aufgefunden und chemo-mechanisch gereinigt werden. Die dann angefertigte Masterpointaufnahme kontrollierte den MTA Verschluss sowie die bestimmte Arbeitslänge inklusive Passung des Guttapercha-Meisterstiftes (ISO 35).

Gut drei Wochen später stellte sich der Patient nun gestern zum Abschluss der Behandlung erneut vor. Bei Beschwerdefreiheit und geschlossener Fistel (nach Ca(OH)2-Einlage) erfolgte daher der Verschluss des Kanalsystems mittels warm vertikal verdichteter Guttapercha und Sealer. Die Zugangskavität wurde mittels intrakanalär verankerter Kompositrestauration versorgt.

Es scheint als wäre es gelungen der komplexen (apikalen) Anatomie dieses Zahnes gerecht geworden zu sein.

Zukünftige („langfristige“) Kontrollen müssen die Nachhaltigkeit der Behandlung dieses kompromittierten Zahnes jedoch erst noch belegen…